January 23, 2026
Technischer Fachbeitrag

Chargenverwaltung mit SAP EWM: Strukturierte Prozesse, sichere Bestände und lückenlose Rückverfolgbarkeit

Denise Schellinger
Logistic Consultant
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Chargenverwaltung erfolgreich mit SAP EWM umsetzen

Die Chargenverwaltung ist ein zentraler Bestandteil moderner Lagerlogistik, insbesondere in Branchen mit hohen Compliance‑Anforderungen wie Lebensmittel, Pharma, Chemie oder Consumer Goods. SAP Extended Warehouse Management (SAP EWM) ermöglicht die eindeutige Identifikation, Steuerung und Rückverfolgbarkeit von Chargen über alle Lagerprozesse hinweg. Unternehmen profitieren von höherer Qualitätssicherung, klaren Prozessabläufen und effizienter Bestandsführung.

Transparente Chargenverfolgung

SAP EWM ermöglicht die durchgängige Nachverfolgung von Chargen über den gesamten Warenfluss hinweg – von Wareneingang bis Warenausgang.

Effiziente Bestandssteuerung

Strategien wie FIFO oder FEFO unterstützen eine optimale Entnahmefolge, erhöhen die Bestandsqualität und sichern die Einhaltung von MHD‑Regeln.

Hohe Prozesssicherheit

Systemgeführte Chargenentscheidungen reduzieren Fehler, stellen Compliance sicher und verhindern fehlerhafte Kommissionierungen.

Was ist der Zweck der Chargenverwaltung im Lager?

Die Chargenverwaltung dient dazu, Materialien mit identischen Eigenschaften eindeutig zu kennzeichnen und über den gesamten Materialfluss hinweg rückzuverfolgen. Die Kennzeichnung ermöglicht es, Informationen wie Herkunft, Mindesthaltbarkeitsdatum oder spezifische Qualitätsmerkmale durchgängig zu dokumentieren. Dadurch wird eine schnelle und gezielte Reaktion bei Abweichungen, Reklamationen oder Rückrufen ermöglicht.

Warum sich die Chargenverwaltung mit SAP EWM lohnt

SAP EWM schafft Transparenz über Bestände, reduziert Fehlerpotenziale und erhöht die Prozesssicherheit. Chargen können automatisch identifiziert, bewertet und entlang definierter Strategien wie FIFO oder FEFO gesteuert werden. Gleichzeitig wird die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben unterstützt, da nur freigegebene Chargen weiterverarbeitet oder ausgeliefert werden.

Wie SAP EWM die Chargenfindung steuert

Die Chargenfindung erfolgt im SAP EWM im Rahmen zentraler Lagerprozesse - üblicherweise während der Kommissionierung und im Warenausgang.

EWM berücksichtigt dabei:

  • vordefinierte Kriterien wie FIFO, FEFO, Ablaufdaten oder Bestandsarten
  • Selektionsklassen aus dem ERP
  • physische Lagergegebenheiten und strategische Auslagerungslogiken

SAP EWM identifiziert automatisch die passende Charge und stellt sicher, dass nur chargenkonforme Materialien verwendet werden.

Diese Funktionen stellt SAP EWM für die Chargenverwaltung bereit

Chargenstammdaten in EWM

Chargenstammdaten werden typischerweise im ERP-System angelegt und an SAP EWM verteilt. Alternativ können sie direkt in SAP EWM manuell oder automatisch erzeugt werden.

Chargenfindung anhand definierter Kriterien

Suchkriterien einer Auslieferung können eingesehen, angepasst und für die Kommissionierung genutzt werden.

Chargenfindung vorgegebener Chargen

Sind konkrete Chargen in der Auslieferung festgelegt, nutzt SAP EWM ausschließlich diese für die Kommissionierung.

Chargenzustandsverwaltung

SAP EWM unterscheidet die Zustände uneingeschränkt (unrestricted) und eingeschränkt (restricted), wobei neue Chargen standardmäßig unrestricted sind; Änderungen erfolgen über QM‑Verwendungsentscheide oder manuell.

Dokumentationscharge

Dokumentationschargen dienen der Rückverfolgbarkeit ohne Bestandsführung und reduzieren Komplexität. Sie werden genutzt, wenn keine chargenbezogene Bestandsführung erforderlich ist.

Monitoring im Warehouse Management Monitor

Chargen‑ und Bestandsdaten werden übersichtlich dargestellt und können nach Merkmalen gefiltert werden.

Chargen im Wareneingang

Das ERP-System übermittelt Chargeninformationen bereits mit der Anlieferung an SAP EWM. Liegen Stammdaten vor, werden diese in SAP EWM referenziert. Fehlen sie, erzeugt SAP EWM den Chargenstammsatz automatisch oder manuell bei der Anlieferung – mit vorgegebener Nummer oder per Nummernkreis. Relevante Merkmale wie Produktionsdatum, MHD oder Herkunft lassen sich hierbei übertragen.

Chargen im Warenausgang

Auslieferungen im ERP-System enthalten häufig Chargenselektionskriterien, wie Farbe oder Dichte des Materials, die an SAP EWM übermittelt werden.

Im Kommissionierprozess führt SAP EWM die Chargensuche anhand der in der Selektionsklasse hinterlegten Merkmale aus und berücksichtigt:

  • nur passende Chargen
  • vorgegebene Chargen
  • Alternativempfehlungen zusätzlich passender Chargen bei unzureichender Menge
  • automatische Prüfungen der Selektionskriterien (SAP EWM Customizing) bei manueller Eingabe

Praxisbeispiel: Chargenverwaltung vom Wareneingang bis zur Kommissionierung

Um das Zusammenspiel von SAP ERP und SAP EWM bei der Chargenverwaltung greifbar zu machen, wird nachfolgend ein typischer End-to-End-Prozess im Lager betrachtet – vom Wareneingang bis hin zur Auslieferung.

1. Anlieferungserstellung – Anlage der Charge im ERP

Der Prozess beginnt imSAP ERP mit dem Erstellen einer Bestellung. Das Material ist in unserem Beispiel chargenpflichtig, sodass bei der Anlage eine Charge angelegt oder angegeben werden muss. Dabei werden chargenrelevante Informationen wie Chargennummer, Haltbarkeitsdatum und Klassifizierungsmerkmale erfasst.

Technisch ist das ERP-System die führende Instanz für die Charge. Der Bestand wird auf Chargenebene gebucht, und alle relevanten Daten stehen für nachgelagerte Prozesse zur Verfügung.

2. Übergabe an SAP EWM  – Bestandsabbildung im Lager

Die Anlieferung wird nach SAP EWM repliziert und als Beleg angelegt Dort wird der Wareneingang ausgeführt. Die Charge ist auf EWM‑Bestandsebene sichtbar und kann lagerlogisch weiterverarbeitet werden.

3. Einlagerung – Chargengesteuerte Lagerplatzfindung

Im nächsten Schritt wird der Bestand eingelagert. Einlagerungsstrategien berücksichtigen chargenrelevante Kriterien. Beispielsweise kann festgelegt werden, ob unterschiedliche Chargen oder MHD auf einem Lagerplatz gelagert werden dürfen. Die Einlagerung mit Chargennummer erfolgt damit transparent und nachvollziehbar.

4. Kundenauftrag im SAP ERP – Übergabe der Anforderungen

Bei der Anlage eines Kundenauftrags im SAP ERP werden die chargenrelevanten Anforderungen wie FEFO‑ oder kundenspezifische Vorgaben berücksichtigt und an SAP EWM übergeben. Das ERP-System definiert damit fachlich, welche Art von Charge ausgeliefert werden soll, während SAP EWM für die operative Umsetzung verantwortlich ist.

5. Kommissionierung in SAP EWM – Auswahl der richtigen Charge

SAP EWM erstellt Kommissionieraufgaben anhand der übergebenen Anforderungen. Es greifen Auslagerungsstrategien wie FEFO, sodass die Charge mit der kürzesten Restlaufzeit priorisiert wird. Der Lagerarbeiter kommissioniert exakt die vom System vorgeschlagene Charge. Abweichungen sind systemseitig nur eingeschränkt oder gar nicht möglich, wodurch Fehler reduziert werden.

6. Rückmeldung und Bestandsabgleich

Nach der Kommissionierung werden die Bewegungen in SAP EWM gebucht. Die Bestandsveränderungen werden automatisch zurück an das ERP-System gemeldet. Der Bestand wird in beiden Systemen auf Chargenebene synchron fortgeschrieben.

Am Ende des Prozesses ist jederzeit nachvollziehbar, welche Charge geliefert wurde, aus welchem Wareneingang sie stammt und wo sie zuvor im Lager gelagert war.

FAQs

Sie haben Fragen? In den folgenden FAQs haben wir die wichtigsten Antworten für Sie zusammengestellt. Falls Ihre Frage nicht dabei ist, sprechen Sie uns gerne direkt an.

Wo wird die Charge führend verwaltet – im SAP ERP oder SAP EWM?

Die fachliche Führung der Charge erfolgt im SAP ERP. SAP EWM übernimmt die Chargeninformationen und nutzt sie für die operative Lagersteuerung.

Wann wird eine Charge im System angelegt?

Eine Charge wird in der Regel beim Wareneingang, in der Produktion oder bei Anlage der Bestellung bzw. Anlieferung angelegt.

Kann SAP EWM selbst Chargen anlegen?

Ja, SAP EWM kann Chargen eigenständig anlegen und verwalten.

Wie wird sichergestellt, dass die richtige Charge kommissioniert wird?

SAP EWM nutzt Chargenfindung, basierend auf Merkmalen, die von SAP ERP übergeben werden und berücksichtigt dabei das physische Lagerlayout (z. B. FIFO, FEFO, Chargenbestände nach Attributen) und die physische Bestätigung über mobile Geräte, um die korrekte Charge zu kommissionieren.

Welche Rolle spielt das Haltbarkeitsdatum (MHD)?

Das MHD wird im SAP ERP gepflegt und an SAP EWM übergeben. In SAP EWM ist es entscheidend, da es die Produktqualität sicherstellt, indem es die Reihenfolge der Entnahme (FEFO) steuert, die Kommissionierung abgelaufener Ware verhindert, die Restlaufzeit bei Wareneingang prüft und die Nachverfolgbarkeit durch die Integration von Produktions- und Verfallsdaten gewährleistet.

Nächste Schritte

Qinlox unterstützt Unternehmen mit Beratung, Workshops und Implementierungskompetenz rund um Chargenprozesse in SAP EWM.

Ein persönlicher Austausch oder ein Webinar kann gerne direkt angefragt werden.

Fazit – Die Chargenverwaltung in SAP EWM ist ein klarer Mehrwert für die Logistik

Die Chargenverwaltung in SAP EWM bietet eine strukturierte, nachvollziehbare und effiziente Bestandsführung. Transparenz, rechtliche Sicherheit und die lückenlose Rückverfolgbarkeit stärken die Qualität entlang der gesamten Logistikkette.

Unternehmen profitieren von stabilen Lagerabläufen, reduzierten Risiken und einer höheren Prozesssicherheit. Richtig eingesetzt wird die Chargenverwaltung in SAP EWM damit zu einem echten Wettbewerbsvorteil und einer tragenden Säule moderner, zukunftsfähiger Logistik.

Kategorie
SAP EWM
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